3. Aufzug 1. Szene
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Holländer / 3. Aufzug / 2. Szene / Nr. 8. Finale: Eriks erneute Warnung / Der Holländer glaubt sich betrogen / Sentas Opfer




Zweite Szene



Nr. 8. Finale



Senta kommt bewegten Schrittes aus dem Hause; ihr folgt Erik in höchster Aufregung.


Erik

Was mußt ich hören? Gott, was muß ich sehen?


Ist’s Täuschung? Wahrheit? Ist es Tat?


Senta

O frage nicht! Antwort darf ich nicht geben.


Erik

Gerechter Gott! Kein Zweifel! Es ist wahr!


Welch unheilvolle Macht riß dich dahin?


Welche Gewalt verführte dich so schnell,


grausam zu brechen dieses treuste Herz!


Dein Vater – ha – Den Bräut’gam bracht’ er mit…


Wohl kenn’ ich ihn mir ahnte, was geschieht!


Doch du…ist’s möglich! – reichest deine Hand


dem Mann, der deine


Schwelle kaum betrat.


Senta

Nicht wieter! Schweig’! Ich muß! ich muß!


Erik

O des Gehorsams, blind wie deine Tat!


Den Wink des Vaters nanntest du willkommen,


mit einem Stoß vernichtest du mein Herz!


Senta

Nicht mehr! nicht mehr!


Ich darf dich nicht mehr seh’n,


nicht an dich denken – hohe Pflicht gebeut’s!


Erik

Welch hohe Pflicht? Ist’s höh’re nich zu halten,


was du mir einst gelobtest, ewige Treue?


Senta

Wie? Ew’ge Treue hätt’ ich dir gelobt?


Erik

Senta! O Senta! Leugnest du?


Willst jenes Tags dich nicht mehr entsinnen,


als du zu dir mich riefest in das Tal?


Als, dir des Hochlands Blume zu gewinnen,


mutvoll ich trug Beschwerden ohne Zahl?


Gedenkst du, wie auf steilem Felsenriffe


vom Ufer wir den Vater scheiden sah’n?


Er zog dahin auf weiß beschwingtem Schiffe,


und meinem Schutz vertraute er dich an,


ja, meinem Schutz vertraute er dich an.


Als sich dein Arm um meinen Nacken schlang,


gestandest du mir Liebe nicht aufs neu’?


Was bei der Hände Druck mich hehr durchdrang,


sag’, war’s nicht Versich’rung deiner Treu’?



Der Holländer hat den Auffritt belauscht; in furchtbarer Aufregung bricht er jetzt hervor.


Holländer

Verloren! Ach! verloren!


Ewig verlor’nes Heil!


Erik

Was seh’ ich? Gott!


Holländer

Senta, leb’ wohl!


Senta


sich im in den Weg werfend


Halt ein, Unsel’ger!


Erik


zu Senta


Was beginnst du?


Holländer

In See! – In See für ew’ge Zeiten!



zu Senta


Um deine Treue ist’s getan,


um deine Treue – um mein Heil!


Leb’ wohl, ich will dich nicht verderben!


Erik

Entsetzlich! Dieser Blick…!


Senta


wie vorher


Halt’ ein! Von dannen sollst du nimmer flieh’n!


Holländer


gibt seiner Mannschaft ein gellendes Zeichen auf einer Schiffspfeife.


Segel auf! Anker los!


Sagt Lebewohl auf Ewigkeit dem lande!


Fort auf das Meer triebt’s mich auf’s neue!


Ich zweifl’ an dir! Ich zweiff’ an Gott!


Dahin, dahin, ist alle Treue!


Was du gelobtest, war dir Spott!


Senta

Ha! Zweifelst du an meiner Treue?


Unsel’ger, was verblendet dich?


Halt’ ein! Das Bündnis nicht bereue!


Was ich gelobte, halte ich!


Erik

Was hör’ ich! Gott, was muß ich sehen?


Muß ich dem Ohr, dem Auge trau’n?


Senta! Willst du zugrunde gehen?


Zu mir! Du bist in Satans Klau’n!


Holländer

Erfahre das Geschick, vor dem ich dich bewahr’!


Verdammt bin ich zum gräßlichsten der Lose;


zehnfacher Tod wär’ mir erwünschte Lust!


Vom Fluch ein Weib allein mich kann erlösen,


ein Weib, das Treu’ bis in den Tod mir hält.


Wohl hast du Treue mir gelobt, doch vor


dem Ewigen noch nicht; dies rettet dich!


Denn wiss’, Unsel’ge, welches das Geschick,


das jene trifft, die mir die Treue brechen:


ew’ge Verdammnis ist ihr Los!


Zahllose Opfer fielen diesem Spruch durch mich!


du aber sollst gerettet sein!


Leb’ wohl! Bahr’ him, mein Heil, in Ewigkeit!


Erik


in furchtbarer Angst


Zu Hilfe! Rettet, rettet sie!


Senta


in höchster Aufregung


Wohl’ kenn’ ich dich! Wohl kenn’ ich dein Geschick!


Ich kannte dich, als ich zuerst dich sah!


Das Ende deiner Qual ist da! – ich bin’s.


durch deren Treu’ dein Heil du finden sollst!



Auf Eriks Hilferufe sind Daland, Mary die Mädchen und die Matrosen herbeigeeilt.


Erik

Helft ihr! Sie ist verloren!


Daland
Mary
Chor

Was erblick’ ich!


Daland

Gott!


Holländer


zu Senta


Du kennst mich nicht,


du ahnst nicht, wer ich bin!



Er deutet auf sein Schiff, dessen rote Segel aufgespannt sind und dessen Mannschaft in gespenstischer Regsamkeit die Abfahrt vorbereitet.


Befrag’ die Meere aller Zonen, befrag’


den Seemann, der den Ozean durchstrich,


er kennt dies Schiff, das Schrecken aller Frommen:


den fliegenden Holländer nennt man mich.


Mannschaft des Holländers

Johohoe! Johohohoe! Hoe! Hui-ssa!



Schnell langt er am Bord seines Schiffes an, das augenblicklich unter dem Seerufe der Mannschaft abfährt. Senta sucht sich mit Gewalt von Daland und Erik loszuwinden.


Mary
Erik
Daland
Chor

Senta! Senta! Was willst du tun?



Senta hat sich mit wütender Kraft losgerissen und erreicht ein vorstehendes Felsenriff: von da aus ruft sie dem absegeinden Holländer nach.


Senta

Preis’ deinen Engel und sein Gebot!


Hier steh’ ich, treu dir bis zum Tod!



Sie stürzt sich in das Meer; in demselben Augenblicke versinkt das Schiff des Holländers und verschwindet schnell in Trümmern. In weiter Ferne entsteigen dem Wasser der Holländers Ferne entsteigen dem Wasser der Holländer und Senta, beide in verklärter Gestalt; er hält sie umschlungen.



Ende des fliegenden Holländers



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