Holländer / 2. Aufzug / 3. Szene / Nr. 6. Finale: Senta verspricht dem fremden Holländer ihre Treue | |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
| Mein Kind, du siehst mich auf der Schwelle… | ||||||||||||||||||||||||||||
Wie? Kein Umarmen, Keinen Kuß? | |||||||||||||||||||||||||||||
Du bleibst gebannt an deiner Stelle – | |||||||||||||||||||||||||||||
verdien’ ich, Senta, solchen Gruß? | |||||||||||||||||||||||||||||
| Gott dir zum Gruß! | ||||||||||||||||||||||||||||
Mein Vater, sprich! | |||||||||||||||||||||||||||||
Wer ist der Fremde? | |||||||||||||||||||||||||||||
|
| ||||||||||||||||||||||||||||
Drängst du mich? | |||||||||||||||||||||||||||||
Mögst du, mein Kind, den fremden Mann willkommen heißen? | |||||||||||||||||||||||||||||
Seemann ist er, gleich mir, | |||||||||||||||||||||||||||||
das Gastrecht spricht er an. | |||||||||||||||||||||||||||||
Lang’ ohne Heimat, | |||||||||||||||||||||||||||||
stets auf fernen, weiten Reisen, | |||||||||||||||||||||||||||||
in fremden Landen er | |||||||||||||||||||||||||||||
der Schätze viel gewann. | |||||||||||||||||||||||||||||
Aus seinem Vaterland verwiesen, | |||||||||||||||||||||||||||||
für einen Herd er reichlich lohnt: | |||||||||||||||||||||||||||||
sprich, Senta, würd’ es dich verdrießen, | |||||||||||||||||||||||||||||
wenn dieser Fremde bei uns wohnt? | |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
Sagt, hab’ ich sie zuviel gepreisen? | |||||||||||||||||||||||||||||
Ihr seht sie selbst – ist sie Euch recht? | |||||||||||||||||||||||||||||
Soll ich von Lob noch überfließen? | |||||||||||||||||||||||||||||
Gesteht, sie zieret ihr Geschlecht? | |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
|
| ||||||||||||||||||||||||||||
Mögst du, mein Kind, | |||||||||||||||||||||||||||||
dem Manne freundlich dich erweisen! | |||||||||||||||||||||||||||||
Von deinem Herzen auch | |||||||||||||||||||||||||||||
spricht holde Gab’ er an; | |||||||||||||||||||||||||||||
Reich’ ihm die Hand, denn Bräutigam | |||||||||||||||||||||||||||||
sollst du ihn heißen: | |||||||||||||||||||||||||||||
stimmst du der Vater bei, | |||||||||||||||||||||||||||||
ist morgen er dein Mann. | |||||||||||||||||||||||||||||
Sieh dieses Band, sieh diese Spangen! | |||||||||||||||||||||||||||||
Was er besitzt, macht dies gering. | |||||||||||||||||||||||||||||
Muß, teures Kind, dich’s nicht verlangen? | |||||||||||||||||||||||||||||
Dein ist es, wechselst du den Ring. | |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
Doch keines spricht… | |||||||||||||||||||||||||||||
Sollt’ ich hier lästig sein? | |||||||||||||||||||||||||||||
So ist’s! Am besten laß’ ich sie allein. | |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
Mögst du den edlen Mann gewinnen! | |||||||||||||||||||||||||||||
Glaub’ mir, soch’ Glück wird immer neu. | |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
Bleibt hier allein! | |||||||||||||||||||||||||||||
Ich geh’ von hinnen. | |||||||||||||||||||||||||||||
Glaubt mir, wie schön, so ist sie treu! | |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
| Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten | ||||||||||||||||||||||||||||
spricht dieses Mädchens Bild zu mir: | |||||||||||||||||||||||||||||
wie ich’s geträumt seit bangen Ewigkeiten, | |||||||||||||||||||||||||||||
vor meinen Augen seh’ ich’s hier. | |||||||||||||||||||||||||||||
Wohl hub auch ich voll Sehnsucht meine Blicke | |||||||||||||||||||||||||||||
aus tiefer Nacht empor zu einem Weib: | |||||||||||||||||||||||||||||
ein schlagend’ Herz ließ, ach! mir Satans Tücke, | |||||||||||||||||||||||||||||
daß eingedenk ich meiner Qualen bleib’. | |||||||||||||||||||||||||||||
Die düstre Glut, die hier ich fühle brennen, | |||||||||||||||||||||||||||||
sollt’ ich Unseliger sie Liebe nennen? | |||||||||||||||||||||||||||||
Ach nein! Die Sehnsucht ist es nach dem Heil: | |||||||||||||||||||||||||||||
würd es durch solchen Engel mir zuteil! | |||||||||||||||||||||||||||||
| Versank ich jetzt in wunderbares Träumen? | ||||||||||||||||||||||||||||
Was ich erblicke, ist’s ein Wahn? | |||||||||||||||||||||||||||||
Weilt’ ich bisher in trügerischen Räumen, | |||||||||||||||||||||||||||||
brach des Erwachens Tag heut’ an? | |||||||||||||||||||||||||||||
Er steht vor mir, mit leidenvollen Zügen, | |||||||||||||||||||||||||||||
es spricht sein unerhörter Gram zu mir: | |||||||||||||||||||||||||||||
kann tiefen Mitleids Stimme mich belügen? | |||||||||||||||||||||||||||||
Wie ich ihn oft gesehn, so steht er hier. | |||||||||||||||||||||||||||||
Die Schmerzen, die in meinem Busen brennen, | |||||||||||||||||||||||||||||
ach’, dies Verlangen, wie soll ich es nennen? | |||||||||||||||||||||||||||||
Wonach mit Sehnsucht es dich treibt – das Heil, | |||||||||||||||||||||||||||||
würd’ es, du Ärmster, dir duch mich zuteil! | |||||||||||||||||||||||||||||
| Wirst du des Vaters Wahl nicht schelten? | ||||||||||||||||||||||||||||
Was er versprach, wie – dürft’ es gelten? | |||||||||||||||||||||||||||||
Du könntest dich für ewig mir ergeben, | |||||||||||||||||||||||||||||
und deine Hand dem Fremdling reichtest du? | |||||||||||||||||||||||||||||
Soll finden ich, nach qualenvollen Leben, | |||||||||||||||||||||||||||||
in deiner Treu’ die langersehnte Ruh’? | |||||||||||||||||||||||||||||
| Wer du auch seist und welches das Verderben, | ||||||||||||||||||||||||||||
dem grausam dich dein schicksal konnte weih’n – | |||||||||||||||||||||||||||||
was auch das Los, das ich mir sollt’ erwerben, | |||||||||||||||||||||||||||||
gehorsam stests werd’ ich dem Vater sein! | |||||||||||||||||||||||||||||
| So unbedingt, wie? Könnte dich durchdringen | ||||||||||||||||||||||||||||
für meine Leiden tiefstes Mitgefühl? | |||||||||||||||||||||||||||||
|
| ||||||||||||||||||||||||||||
Oh, welche Leiden! | |||||||||||||||||||||||||||||
Könnt’ ich Trost dir bringen! | |||||||||||||||||||||||||||||
|
| ||||||||||||||||||||||||||||
Welch’ holder Klang im nächtigen Gewühl! | |||||||||||||||||||||||||||||
Du bist ein Engel! Eines Engels Liebe | |||||||||||||||||||||||||||||
Verworf’ne selbst zu trösten weiß! | |||||||||||||||||||||||||||||
Ach, wenn Erlösung mir zu hoffen bliebe, | |||||||||||||||||||||||||||||
Allewiger, durch diese sei’s! | |||||||||||||||||||||||||||||
| Ach, wenn Erlösung ihm zu hoffen bliebe, | ||||||||||||||||||||||||||||
Allewiger, durch mich nur sei’s! | |||||||||||||||||||||||||||||
| Ach! Könntest das Geschick du ahnen, | ||||||||||||||||||||||||||||
dem dann mit mir du angehörst, | |||||||||||||||||||||||||||||
dich würd’ es an das Opfer mahnen, | |||||||||||||||||||||||||||||
das du mir bringst, wenn Treu’ du schwörst. | |||||||||||||||||||||||||||||
Es flöhe schaudernd deine Jugend | |||||||||||||||||||||||||||||
dem Lose, dem du sie willst weih’n, | |||||||||||||||||||||||||||||
nennst du des Weibes schönste Tugend, | |||||||||||||||||||||||||||||
nennst ew’ge Treue du nicht dein! | |||||||||||||||||||||||||||||
| Wohl kenn’ ich Weibes heil’ge Pflichten. | ||||||||||||||||||||||||||||
sei drum gestrost, unsel’ger Mann! | |||||||||||||||||||||||||||||
Laß über die das Schicksal richten, | |||||||||||||||||||||||||||||
die seinem Spruche trotzen kann! | |||||||||||||||||||||||||||||
In meines Herzens höchster Reine | |||||||||||||||||||||||||||||
kenn’ ich der Treue Hochgebot. | |||||||||||||||||||||||||||||
Wem ich sie weih’, schenk’ ich die eine; | |||||||||||||||||||||||||||||
die Treue bis zum Tod. | |||||||||||||||||||||||||||||
| Ein heil’ger Balsam meinen Wunden | ||||||||||||||||||||||||||||
dem Schwur, dem hohen Wort entfließt. | |||||||||||||||||||||||||||||
Hört es: mein Heil, hab’ ich gefunden. | |||||||||||||||||||||||||||||
Mächte, ihr Mächte, die ihr zurück mich stießt. | |||||||||||||||||||||||||||||
Du Stern des Unheils sollst erblassen. | |||||||||||||||||||||||||||||
Licht meiner Hoffnung, leuchte neu! | |||||||||||||||||||||||||||||
Ihr Engel, die mich einst verlassen, | |||||||||||||||||||||||||||||
stärkt jetzt dies Herz in seiner Treu’. | |||||||||||||||||||||||||||||
| Von mächt’gem Zauber überwunden | ||||||||||||||||||||||||||||
reißt mich’s zu seiner Rettung fort. | |||||||||||||||||||||||||||||
hier habe Heimat er gefunden, | |||||||||||||||||||||||||||||
hier ruh’ sein schiff in sich’rem Port! | |||||||||||||||||||||||||||||
Was ist’s, das mächtig in mir lebet? | |||||||||||||||||||||||||||||
Was schliesst berauscht mein Busen ein? | |||||||||||||||||||||||||||||
Allmächt’ger, was so hoch mich erhebet, | |||||||||||||||||||||||||||||
laß es die Kraft der Treue sein! | |||||||||||||||||||||||||||||
|
| ||||||||||||||||||||||||||||
Verzeiht! Mein Volk hält draußen sich nicht mehr; | |||||||||||||||||||||||||||||
nach jeder Rückkunft, wisset, gibt’s ein Fest. | |||||||||||||||||||||||||||||
Verschönern möcht ich’s, komme deshalb her, | |||||||||||||||||||||||||||||
ob mit Verlobung sich’s vereinen läßt? | |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
Ich denk’, ihr habt nach Herzenswunsch gefreit? | |||||||||||||||||||||||||||||
Senta, mein Kind, sag, bist auch du bereit? | |||||||||||||||||||||||||||||
| Hier meine Hand! Und ohne Reu’ | ||||||||||||||||||||||||||||
bis in den Tod gelob’ ich Treu’! | |||||||||||||||||||||||||||||
| Sie reicht die Hand! Geprochen sie | ||||||||||||||||||||||||||||
Hohn, Hölle, dir durch ihre Treu’! | |||||||||||||||||||||||||||||
| Euch soll dies Bündnis nicht gereu’n! | ||||||||||||||||||||||||||||
Zum Fest! Heut’ soll sich alles freu’n! | |||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||